Pollenanalytik - Rückblick in die Vergangenheit

Altersdatierung von Erdfällen:

· Wie alt sind Erdfälle?
· Wann war das Einsturzereignis?
· War es ein einmaliges Einsturzereignis oder eine allmähliche Senkung (z.B. Subrosion)?
· Besteht die Gefahr aktueller Einstürze?

Diese Fragestellungen sind von besonderer Bedeutung bei allen technischen Bauvorhaben. Im Zusammenhang mit den Untersuchungen zum Atommüllversuchsendlager in der Schachtanlage Asse II waren die Altersdatierungen von Erdfällen einschließlich der bereits wieder verfüllten Erdfällen von besonderer Bedeutung. Bedeuten hier junge Erdfälle doch auch Bewegungen und Veränderungen des Untergrundes in der geologisch jüngsten Vergangenheit. Damit können auch nach Inbetriebnahme eines Endlagers derartige Ereignisse nicht mehr ausgeschlossen werden. Eine wichtige Säule im Endlagerkonzept (die der geologischen Stabilität) fehlt.

Über mehrere Jahre führten wir im Bereich des Asse-Sattels bei Wolfenbüttel umfangreiche Bohrkampagnen, quartärgeologische Kartierungen und pollenanalytische Altersdatierungen aus.

Altersdatierung von Gips
Salinaraustritte aus einem Gipshut bedeuten stets intensiv ablaufende geologische Prozesse im Salzstock. Damit ist die Langzeitsicherheit eines Grubengebäudes besonders beim Abbau am Rande des Salzstockes gefährdet. Aber auch für die Beurteilung von untertägigen Abfallablagerungen sind solche Fragestellungen von besonderer Wichtigkeit.

Mit Hilfe eines eigens in unserem Labor entwickelten Aufbereitungsverfahren sind wir in der Lage, auch aus Gipsen in kurzer Zeit Pollen von Pflanzen der Zechsteinzeit (vor rund 250 Mio Jahren) zu isolieren und zu bestimmen. Wenn solche Pollen auch in oberflächennahen Sedimenten sich wiederfinden, bestehen konkrete Anhaltspunkte für einen Salinar­ausfluss in jüngster geologischer Vergangenheit.

Die Altersdatierung von Zechsteingipsen mit Hilfe der Pollenanalytik ist aber auch für Erdölgeologen von besonderer Wichtigkeit. So führen wir für die Erdölindustrie an Cuttings pollenanalytische Untersuchungen zur genauen stratigraphischen Zuordnung der Cuttings durch. Aufgrund der oft nur daumennagelgroßen Gesteinsbruchstücke aus Tiefen von über 2000 m kann eine exakte Zuordnung anhand petrographischer Merkmale nur schwer erfolgen.

Interessante Veröffentlichungen unserer Mitarbeiter:
Weinberg, H.-J., K. Klarr (1990): Erdfälle in der Asse. - gsf-Bericht 19/90, 63 S., 8 Abb., 8 Tab., 1 Taf.