Phthalate in der Umwelt

Gemeinsam mit Prof. Dr. W. Rohe von der FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen wurden im Rahmen von Diplomarbeiten u.a. Untersuchungen zur Verbreitung von Phthalaten durchgeführt.

Phthalate (Salze und Ester der Phthalsäure) werden in der Kunststoffindustrie als Weichmacher eingesetzt. Die derzeitige Produktion von DEHP wird vom Umweltbundesamt allein für die Bundesrepublik Deutschland auf rund 100.000 t/a geschätzt, der jährliche Verbrauch an Weichmachern auf der Basis von Phthalsäure in Westeuropa beträgt rund 1 Mio. t bei einer jährlichen Zunahme von rund 1,9 %. Aufgrund der leichten Verdampfbarkeit gelangt mittelfristig der überwiegende Teil der produzierten Phthalatmenge in die Atmosphäre. Die Phthalatemissionen in Deutschland betragen für DEHP 1000 t/a bis 2000 t/a, dies entspricht etwa 1 % der jährlich in Deutschland produzierten DEHP-Menge. Durch feuchte und trockene Deposition (rain/snow-wash-out, particle-scavenging, gas-scavenging) gelangen die Phthalate auf die Erdoberfläche und verteilen sich dort auf die Bio-, Pedo- und Hygrosphäre. Diese Umweltchemikalien (Xenobiotika) sind demnach ubiquitär verbreitet. Die Angaben zur Persistenz der Phthalate sind divers. Hier könnten z.T. naturferne Laborbedingungen eine Rolle spielen. Das meistproduzierte Phthalat (DEHP) weist ein erhebliches Geoakkumulationspotential auf.

Die ökotoxikologische Bedeutung der ausschließlich anthropogen in die Biosphäre eingebrachten Phthalate ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der geringen Datendichte nicht sicher einschätzbar. Einzelne Untersuchungen belegen zumindest für DEHP eine östrogene Wirkung (Xeno-Hormon).

Im Rahmen vergleichender Untersuchungen von klärschlammgedüngten sowie unge­düngten Feldern in Südniedersachsen hinsichtlich ihrer Phthalatbelastung erfolgte auch die Untersuchung von Bodenproben aus einem siedlungsnahen Feldgehölz im Landkreis Osterode am Harz. Die Bodenproben im Stammablaufbereich wiesen dabei im Vergleich zu den landwirtschaftlichen Flächen eine deutlich höhere Belastung durch Phthalate auf. Es ergab sich daher allgemein die Frage nach der Belastung von siedlungsfernen Wäldern und Wiesen mit Weichmachern. Zur besseren Vergleichbarkeit der ermittelten Phthalat­konzentrationen mit anderen anthropogen bedingten Depositionen erfolgte die Probenahme auf den seit über 25 Jahren intensiv bearbeiteten Versuchsflächen des Ökosystem­forschungsprojektes Solling. Hierzu liegen vielseitige Publikationen zu den Themen Boden und Einträge vor.

 

Interessante Publikationen zu diesem Thema:
Hartmann, R., W. Rohe (2001): Phthalatkonzentrationen in Böden naturnaher Standorte des Sollings (Niedersachsen). - UWSF-Z. Umweltchem. Ökotox., 13, (1), 13-17.

Rohe,  W., R. Hartmann (2001): Phthalat concentrations in forest soils far away from industrial districts (Lower Saxony). - Abstracts second statusseminar endocrine disruptors, Berlin 1.-4. April 2001: 97.

Rohe,  W., R. Hartmann (2002): Phthalat concentrations in forest soils (Lower Saxony). - In: Richter, A. und Olazabel, U. (Hrsg.): Proceedings of the second statusseminar endocrine disruptors, 103-104.

Hartmann, R., W. Rohe (2002): Phthalatkonzentrationen in unterschiedlich alten und vererdeten Klärschlämmen. - Beiträge zur Abfallwirtschaft/Altlasten, 23, 172-179.

In Vorbereitung:
Hartmann, R., und W. Rohe: Phthalat concentrations in urine of brown hare.

W. Körner, G. Walker, Hartmann et al. (2010): Messen von Phthalaten in der Innenraumluft mit GC-MS – Vorstellung von zwei Methoden und Überprüfung mit einem Ringversuch. In: Gefahrstoffe, Reinhaltung der Luft, 70(3)89-92.