Abwasserkataster – Wissen, was zu erwarten ist

Bereits 1986 erarbeiteten wir als eines der ersten Labore einen umfassenden, rechnergestützten Abwasserkataster für die Stadt Osterode am Harz einschließlich der angeschlossenen Gemeinden.

Durch die gezielte Erfassung aller gewerblichen Einleiter gelang es, zahlreiche Fehleinleitungen von Produktionsabwässern mit hohen Schadstoff-Frachten zu erfassen. Derartige Fehleinleitungen bewirken häufig die Verschlechterung von Ablaufwerten kommunaler Kläranlagen, so dass höhere Abwassergebühren für die Allgemeinheit anfallen.

Die Aufstellung eines Abwasserkatasters ermöglicht es dem Kläranlagenbetreiber, im Störfall rasch Rückschlüsse auf potentielle Verursacher ziehen zu können. Diese können dann sofort gezielt überprüft werden. Unser Labor ist für viele kommunale Kläranlagen aber auch für Feuerwehren und Wasserbehörden rund um die Uhr Ansprechpartner bei Störfällen. Über unsere Bürorufnummer (0551/38902-0) erfolgt auch nach Geschäftsschluss die Ansage des jeweiligen Bereitschaftsdienstes.

Kanalhautuntersuchungen
Der Biofilm in Abwasserleitungen reichert über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen Schwermetalle, aber auch organische Abwasserinhaltsstoffe wie Organochlorverbindungen an. Über die Analyse von entnommenen Proben dieses Biofilmes in Kombination mit zuvor eingebrachten Aufwuchsstreifen können so Fehleinleitungen zurückverfolgt aber auch zeitlich definiert werden.

Mit Hilfe der Untersuchung von Kanalhautproben gelang es uns erstmalig im Jahre 1985, rasch eine rechtswidrige Einleitung von stark kupferhaltigen Lösungen aufzuklären. Bei der Kanalhaut handelt es sich um den biologischen Belag im Inneren von Abwasserleitungen. Der biologische Rasen reichert Schwermetalle auch bei chargenweiser Ableitung z.B. während der Nachtstunden oder an Wochenenden an. Diese aus Bakterien bestehende „Schleimschicht“ kann beprobt und aufbereitet werden. Im Labor lassen sich an ihr dann die adsorbierten Schwermetallgehalte bestimmen. Durch den Vergleich der Schwermetallgehalte in der Kanalhaut aus verschiedenen Hauptabwassersammlern eines Stadtgebietes kann so rasch ein erhöhter Schwermetalleintrag in die Kläranlage bis zum Verursacher zurückverfolgt werden.

Im Jahr 2008 entwickelten wir ein neues Nachweisverfahren zur Erfassung von Indirekteinleitungen mit PFT-haltigen Abwässern, welches bereits in mehreren Fällen erfolgreich zur Verursacherermittlung eingesetzt wurde.

Im Zusammenhang mit Schwermetallbelastungen konnten wir mehrfach mittels Isotopenanalytik z.B. von Stabilisotopen von Quecksilber oder Blei Zuordnungen zur Herkunft der Schwermetalleinträge treffen.

Interessante Publikationen zu diesem Thema:
Günther, T., M. Strauss, J.B.Kopp, R. Hartmann (2009): Identifizierung und Verminderung der PFT-Belastung im Klärschlamm der Kläranlage Hann.Münden und Hedemünden. - Korrespondenz Abwasser, Abfall, 56(7):690-695.

Günther, T., M. Strauss, J.B.Kopp, R. Hartmann (2009): Auf der Suche nach PFT-Quellen. UmweltMagazin 9/2009:31-33, Springer-Verlag.