Bauen in erdfallgefährdeten Gebieten

Im Bereich des südlichen Harzvorlandes aber auch in Teilen des Nordharzrandes streichen leicht lösliche Gesteine (Gips, Kalk, Dolomit) bis zur Tagesoberfläche aus. Die Folge sind intensive Verkarstungen an der Geländeoberfläche mit Bildungen von Höhlen und tiefen Erdfällen.

Die Richtlinien des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung zum Bauen in erdfallgefährdeten Gebieten sowie kartographische Abgrenzungen der gefährdeten Bereiche bilden die Grundlage für eine zuverlässige Beurteilung der Gefährdungssituation in solchen Gebieten.

In Abhängigkeit von der Lage des Bauobjektes zur möglichen Senkungszone sind gemäß einem Erlass des Niedersächsischen Sozialministeriums zum „Baumaßnahmen in erdfallgefährdeten Gebieten“ unter Berücksichtigung der Ausführungsempfehlungen des LBEG zusätzliche konstruktive und statische Maßnahmen am Bauwerk zu treffen. für einen Bauherrn sind damit auch immer Mehrkosten verbunden. Bei fundierter Baugrundberatung und rechtzeitiger Beauftragung können derartige Mehrkosten bereits vor der Planung oder vor dem Grunderwerb ermittelt werden.

Die Erdfallgefährdung wird dabei in folgende Kategorien eingeteilt:

Kategorie 0

Im Untergrund sind keine wasserlöslichen Gesteine bekannt. Erdfälle sind auch theoretisch unmöglich.

Kategorie 1

Lösliche Gesteine im Untergrund liegen in so großer Tiefe, dass bisher kein Schadensfall bekannt geworden ist, der auf Verkarstung in dieser Tiefe zurückgeführt wird. Es besteht praktisch keine Erdfallgefahr.

Kategorie 2

Lösliche Gesteine liegen in einer Tiefe, in der lokal bereits Verkarstung bekannt ist (irreguläre Auslaugung). Erdfälle aus dieser Tiefe sind selten.
Sofern in der Nähe überhaupt Erdfälle bekannt sind, liegen sie mindestens 300 m entfernt.

Kategorie 3

Lösliche Gesteine liegen in einer Tiefe, in der mit großer Wahrscheinlichkeit Auslaugung stattfindet (reguläre Auslaugung). Sofern Erdfälle bekannt sind, liegen sie mindestens 100 m entfernt.

Kategorie 4

Lösliche Gesteine liegen in einer Tiefe, in der mit großer Wahrscheinlichkeit
Auslaugung stattfindet (reguläre Auslaugung). Im Umkreis von 100 m liegen
1 - 2 Erdfälle.

Kategorie 5

Lösliche Gesteine liegen in einer Tiefe, in der Auslaugung stattfindet.
Im Umkreis von 100 m liegen 3 - 8 Erdfälle, bzw. im Umkreis von 50 m
1 - 2 Erdfälle.

Kategorie 6

Lösliche Gesteine liegen in einer Tiefe, in der Auslaugung stattfindet.
Im Umkreis von 100 m liegen > 8 Erdfälle, bzw. im Umkreis von 50 m > 2 Erdfälle.
Standorte über alten Erdfällen o. Subrosionssenken.

Kategorie 7

junger oder aktiver Erdfall.

Unser Büro hat bereits im Jahre 1984 erstmalig eine flächendeckende Kartierung der Erdfälle im Landkreis Osterode am Harz ausgeführt. Diese umfangreiche, aus mehreren tausend Datenblättern und Fotos bestehende Dokumentation ist noch heute Grundlage für planerische Tätigkeiten in der gesamten Südharz-Region. Umfangreiche Kartenwerke in unserem Hause bieten dem Bauherren rasch die Möglichkeit, sich bei uns über mögliche Probleme beim Bau zu informieren.

Erdfälle und Bodensenkungen treten aber auch in ehemals bergbaulich genutzten Bereichen auf. 1985 waren wir z.B. beratend tätig im Zusammenhang mit der Neubebauung des Bahnhofsgeländes und des Bahnhofes in Lüneburg. Bedingt durch den dortigen Betrieb der ehemaligen Saline kam und kommt es zu großflächigen Verschiebungen im gesamten Altstadtbereich. 1995/96 führten wir umfangreiche Untersuchungen im Zuge eines Neubaus eines Einkaufszentrums unmittelbar auf einer der Hauptsenkungszonen am Harzrand durch und waren verantwortlich für die gesamte Gründung des Objektes.

Gründungsberatungen für Tankstellen in Senkungsgebieten z.B. im Raum Seesen und im
Raum Nordhausen waren weitere interessante Aufgaben der vergangenen Jahre.